|
Parabuthus
transvaalicus
Von Giorgio
Molisani
Parabuthus
transvaalicus, auch südafrikanischer Dickschwanzskorpion genannt,
wurde 1899 zum ersten Mal von PURCELL beschrieben. Er gehört der
artenreichsten Skorpion-Familie an, den Buthidae.
Sein Verbreitungsgebiet
erstreckt sich von Mozambique, Kenia (Mombasa), Botswana bis ins
Transvaalgebiet - also ein sehr trockenes Habitat bei Tagestemperaturen
bis zu 45°C, wobei die Nachttemperatur bis 5°C abfallen kann.
Der südafrikanische
Dickschwanzskorpion ist unter gefällten Bäumen, Steinen und Geröll
zu finden, wo er flache Gänge anlegt. Als absolut feuchtigkeitsempfindliche
Art hält er sich allerdings nur in Gebieten mit weniger als 600
mm Niederschlag/ Jahr auf. Die unwirtlichen Umstände dieser Gebiete
machen die Ladwirtschaft unmöglich und bewirken eine nur dünne Besiedlung,
so dass unser P. transvaalicus auch nur selten in Kontakt
mit Menschen kommt - daher kommt es auch nur selten zu Stich-Unfällen.
Beschreibung
In dieser
natürlichen Umgebung kann P. transvaalicus eine Adultgrösse
von bis zu 16 cm erreichen, was in Gefangenschaft jedoch kaum möglich
ist. Ursachen dafür, dass adulte Nachzuchten kaum 16 cm erreichen,
kann neben der Vielfalt des Futterangebots auch die Grösse des Reviers
sein. Belegen kann ich dies leider nicht, das bezieht sich auf Vermutung
meinerseits, kann ich mir aber nicht anders erklären ?! Was ich
mir auch vorstellen kann ist das es wegen Inzucht und mangels blutauffrischung
zu dieser "Schwäche" kommen kann.
P. transvaalicus
ist mit seiner relativ starken, rötlich/schwarz gefärbten Behaarung
am Metasoma, leicht rosa schimmernden Pluralhäuten ein recht imposanter
und gefährlicher Skorpion. Im Raum Südafrikas zählt er zu den grössten
Skorpionen überhaupt - möglicherweise zählt er sogar zu den grössten
Skorpionen der Familie Buthidae überhaupt.
P.
villosus
Innerhalb
der Gattung ist einzig P. villosus mit bis zu 18 cm noch
grösser als P. transvaalicus, hat aber im Gegensatz zu Letzterem
eine hellere Beinfärbung und einen stark behaarten Körper. Es gibt
wiederum auch die Parabuthus villosus Form mit schwarzen
Beinen, wobei der Schwarze P. villosus nur schon alleine
an der Grösse und an den Haaren zu erkennen ist. Beide sind sogar
in der Lage das Gift bis zu einem Meter zu versprühen, was ich aber
persönlich noch nie beobachten. Doch ich habe schon viele Male erlebt,
dass er das Gift bei extremer Reizung an die Scheiben des
Terrariums
gesprüht hat. Ich konnte auch schon beobachten wie ein P. villosus
mit dem zweiten Metasoma Segment über dem Rücken geraspelt hat wobei
ein Zischgeräusch entstand, was man auch Stridulieren nennt. Das
sogenannte Stridulieren dient zur Warnung und Abschreckung vom Fressfeinden.
Die gleichen Fähigkeiten besitzen auch P. schlechteri, P. mossambicensis
und P. raudus Aufgrund dieser Tatsache ist dem Halter
beim Hantieren mit diesen Skorpionen Vorsicht.
Geschlechtsbestimmung
Die Geschlechter
von P. transvaalicus lassen sich im adulten Stadion ziemlich
gut bestimmen, da die Männchen im Gegensatz zu den Weibchen recht
dicke Scherenhände haben, sehr viel schlanker und auch um einiges
kleiner sind als die Weibchen. Im subadulten Stadium gestaltet sich
die Bestimmung allerdings als recht schwierig, da die Kammhaare
kaum Längenunterschiede zeigen. Die Anzahl der Kammzähne liegt beim
Weibchen bei ca. 33-36, und beim Männchen zwischen 37- 40.
Einrichtung
Das Terrarium
sollte die Mindestmasse 30 x 3 0 x 20 cm haben und möglichst naturgetreu
als Wüsten- oder Savannenterrarium eingerichtet werden. Als Substrat
empfiehlt sich fester oder lehmhaltiger Sand, der sich zum Anlegen
von Galerien eignet. Dazu verwendet man am besten roten Sand aus
dem Terraristik-Fachhandel. Der Sand wird in feuchtem Zustand in
der Höhe von 10 - 15 cm in das Terrarium gefüllt, leicht angedrückt
und trocknen gelassen. Die kostengünstigere Variante, eine Mischung
aus Lehm mit Sand aus dem Baumarkt ergibt ebenfalls ein gutes Bodensubstrat.
Eingerichtet wird das Terrarium mit Steinen, Korkhöhlen oder Scherben
zerschlagener Tontöpfe, die sich sehr gut als Unterschlupf eignen.
Temperatur
Es muss darauf
geachtet werden, dass die Verstecke in verschiedenen Temperaturzonen
verteilt werden, damit sich der Skorpion seinen bevorzugten Temperaturbereich
selbst wählen kann. Die wärmste Stelle sollte (am besten mit Hilfe
von Heizmatten oder Wärmelampen aus dem Terraristik-Fachhandel)
eine Temperatur von 35°C, die kühlste 25°C anzeigen.
Die kostengünstigere
Variante, eine normale 60 Watt Glühbirne aus dem Baumarkt, eignet
sich ebenfalls als Wärmequelle. Diese Temperaturen können eigentlich
das ganze Jahr über herrschen, ausser man gönnt ihm eine kurze Winterruhe
von 2 - 3 Monaten, wobei man die Temperatur auf 25° Celsius herabsenken
muss. Winterruhe ist aber nicht unbedingt nötig, da in den Herkunftsgebieten
die Wintermonate kaum zu merken sind.
Ernährung
Unerlässlich
ist bei diesen Temperaturen natürlich auch eine kleine Wasserschale
die man einmal pro Monat auffüllt. Die Schale darf nicht zu tief
sein, ansonsten könnte der Skorpion darin ertrinken. P. transvaalicus
frisst alles was er bewältigen kann. Geeignete Futtermittel sind
die im gut sortierten Zoofachhandel angebotenen Grillen, Heuschrecken
und Schaben.
Es können
sogar Mäuse verfüttert werden solange sie nicht viel grösser sind
als der Skorpion selbst, jedoch kann ich es nur 1 - 2 mal im Jahr
empfehlen. Da es sich um eine sehr gefräßige Skorpionart handelt,
sollte man darauf achten dass das natürliche Futterverhältnis gewährleistet
ist. In der natürlichen Umgebung ist das Futterangebot relativ rar.
Daher sollte ihm nur alle 2 - 3 Wochen (je nach Ernährungszustand)
Futter gereicht werden. Ansonsten kann er buchstäblich verfetten
und seine Lebenserwartung drastisch sinken.
Zucht
Die Zucht
von P. transvaalicus gestaltet sich in der Regel absolut
unproblematisch. Da die Männchen in der freien Natur zur Paarungszeit
ihre Wohnhöhlen verlassen um nach paarungswilligen Weibchen zu suchen,
imitiert man die natürlichen Bedingungen am besten folgendermassen:
das Weibchen wird für 1 - 2 Tage in ein Terrarium gesetzt um ihr
Zeit zu geben, das Terrarium mit ihrem Duft zu markieren. Nun erst
wird das Männchen zum Weibchen gesetzt. Das Männchen riecht und
spürt das Weibchen sofort. Es beginnt mit dem Metasoma und den Scherenhänden
zu zucken und bewegt sich auf direktem Weg in Richtung Weibchen.
Dann packt das Männchen das Weibchen an den Scheren. Da sich das
Weibchen meist in ihr Versteck verkriecht, sieht es so aus als ob
es nicht zur Paarung bereit wäre. Das Männchen holt das Weibchen
aus ihrem Versteck und der Tanz beginnt. P. transvaalicus
legt beim Paarungstanz relativ grosse Strecken zurück, so dass man
schon darauf achten sollte, dass das Terrarium gross genug ist -
empfehlenswert sind die Masse 40 x 40 x 20 cm.
Das Paarungsritual
kann bis zu 2 Stunden anhalten. Nachdem das Männchen das Spermapaket
abgesetzt hat, zieht es das Weibchen darüber und die Paarung ist
vorüber. Das Männchen ist bis zu einer halben Stunde nach der Paarung
sichtlich sehr nervös und geht dem Weibchen regelrecht aus dem Weg.
Es muss darauf geachtet werden, dass beide vor der Paarung genug
zu essen bekommen haben - nicht dass es nach der Paarung zu einem
Streit kommt und das Weibchen das Männchen verspeist. Aggressionen
bei P. transvaalicus habe ich bisher noch nie beobachtet.
Meines Erachtens handelt es sich um eine sehr soziale Skorpionart.
Mann sollte aber trotzdem darauf achten, dass möglichst nur 1.1
oder 2.0 zusammen auf einem Minimum von 40 x 40 x 20 cm leben.
Nach der
Verpaarung dauert es ca. 8-12 Monate bis sich die Jungen im Bauch
der Mutter zu Nymphen entwickelt haben. Ewa 2-3 Monate vor der Geburt
sieht man durch die Pluralhaut, wie die Nymphen durchschimmern.
Während dieser Zeit muss man allerdings schon auf eine ausreichende
Nahrungszufuhr achten. Die Arten dieser Gattung sind allgemein dafür
bekannt, grosse Mengen an Jungtieren zur Welt zu bringen. Die Anzahl
der Jungen kann zwischen 20 und 100 betragen. Allerdings kommt es
auch immer darauf an, wie viele Eier im Bauch der Mutter befruchtet
waren.
Ich selbst
habe allerdings schon erleben müssen wie nur unbefruchtete Eier
gelegt und sogleich aufgefressen wurden - wobei diese Tiere meist
Wildfänge waren. Wildfänge leiden gewöhnlich für mehrere Monate
unter starkem Stress und leben unter miserablen Bedingungen bis
sie in ein "artgerechtes Terrarium" kommen, so dass ich bei diesen
"Fehlgeburten" von stressbedingten Ausnahmen ausgehe.
Aufzucht
Nachdem die
Nymphen auf den Rücken der Mutter geklettert sind, sollte man das
Tier unbedingt in Ruhe lassen und jeglichen Stress vermeiden. So
lange beschützt die Mutter die Jungen und verhält sich auch dementsprechend
aggressiv. Es vergehen 3-4 Tage bis zur ersten Häutung, anschliessend
verbleiben sie meist weitere 3-4 Tage auf dem Rücken der Mutter,
bis der Chitinpanzer ausgehärtet ist. Nun können die Jungen selbstständig
jagen und fressen. Die Grösse der Futtertiere sollte immer im Verhältnis
zu der des jungen Skorpions stehen - geeignet wären z.B. kleine
Steppengrillen oder kleine Schaben. Die jungtiere sollten in der
Wachstumsphase immer "gedeckten Tisch" haben, da sie sehr gefrässig
sind. So kann man die Möglichkeit von Kannibalismus bei Gruppenhaltung
minimieren. Nicht aufgefressene Futtertiere müssen immer entfernt
werden, um zu verhindern das ein Futtertier den jungen Skorpion
in der Häutungsphase verletzen oder gar auffressen kann.
Die Temperaturen
sollten jedoch bei 30° C beiben, da sich die Jungen bei hohen Temperaturen
besser häuten können. Ich lasse sie bis nach der ersten Fütterung
alle zusammen, empfehle aber vorsichtshalber, sie einzeln in kleinen
Aufzuchtbehältern grosszuziehen. Im Normalfall steht der Aufzucht
in kleinen Gruppen nichts im Weg, ich habe aber auch schon erlebt,
dass spätestens bei der Häutung, die frisch gehäuteten Jungen von
hungrigen Mitbewohnern verspeist wurden. Bis sie die Adultgrösse
erreicht haben kann ein Jahr oder mehr vergehen - dieser Zeitraum
ist allerdings auch vom Futterangebot abhängig.
Todesfälle
und Therapie bei Stichunfällen mit P. transvaalicus
Von 42 schweren
Vergiftungs-Fällen in Südafrika sind 8 Patienten beatmungspflichtig,
4 Todesfälle bei Kindern durch Atmungsversagen. Da die Antiserumtherapie
noch keine bekannte Besserung des Patientenzustands gezeigt hat,
bestehen die Behandlungsmöglichkeiten bei allgemeinen Vergiftungen
mit Skorpionen darin, die aufgetretenen Symptome zu bekämpfen. Meistens
reagiert der Patient sogar allergisch auf das Antiserum, wobei die
Allergie, die ausgelöst wird, nicht selten schlimmer ist als die
Vergiftung selbst!
Giftwirkung
von Parabuthus spezies
Es ist nicht
möglich auf ein paar Zeilen eine auch nur annähernd anschauliche
Widergabe der Giftwirkung von Parabuthus spezies zu geben.
Falls man nun aber doch gestochen würde, gibt es eigentlich nur
3 Grundlegende Erste Hilfe-Massnahmen, die man an Ort und Stelle
treffen kann und muss.
1. Absolute
Ruhe bewahren, um nicht die vom Gift ausgelösten Symptome noch zu
verstärken.
2. Den Wissenschaftlichen
Namen des Tieres unbedingt merken
3. Sofort
den Notarzt aufsuchen.
Die unten
aufgelisteten Symptome können bei erwachsenen Personen meist innerhalb
von 4-12 Stunden auftreten:
Das Gift
scheint hauptsächlich neuromuskuläre Effekte auszulösen:
Muskelparalyse
mit Schluck- und Sprechstörungen, Augenlidlähmungen, komplette Lähmungserscheinungen,
Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe, Schwäche, Tremor, gesteigerte
Muskeleigenreflexe, Überempfindlichkeit der Berührungsreize, Störung
von Bewegungskoordination, Ruhelosigkeit und Angst.
Wirkung auf
das vegetative Nervensystem: Speichelfluss, Schweissausbruch, Übelkeit,
Erbrechen und Durchfall.
Lokaler Giftkontakt
im Auge: Bindehautentzündung, bis zur Hornhautschädigung.
Kreislaufbedingte
Symptome: Arterieller Bluthochdruck, erhöhte Herzfrequenz.
Beeinträchtigung
der Lungenfunktion: Atemstörungen bis zur (möglicherweise tödlichen)
Atemdepression.
Blutwerte:
Die Giftinfektion verursacht eine Starke Vermehrung der weissen
Blutzellen um die Giftinfektion zu bekämpfen, und führt zu extremer
Müdigkeit. Erhöhte Blutzuckerwerte sind auch zu verzeichnen.
Zurück
Erfahrungsberichte
jeglicher Arten bitte an: t.maerklin@poecilotheria.com
Ich
werde alle Zusendungen seriös behandeln.
Update:
17. Juli, 2005 / TM
|