Keine Angst vor Vogelspinnen

Vogelspinnen, Skorpione und Insekten lockten am Wochenende über 2800 Besucher und Besucherinnen in die Festhütte. Der Verein Arachnida Schweiz möchte mit seinen Aktivitäten Vorurteile und Ängste gegenüber diesen Tieren abbauen.

Helio Hickl

Amriswil - «Wir wollen einen neuen Blick auf diese Tiere vermitteln», erklärte Patrick Locher, OK-Präsident des Anlasses und Vizepräsident des in Schaffhausen ansässigen Vereins Arachnida Schweiz. Die rund 100 Mitglieder haben sich der Haltung und Zucht von Spinnentieren und Insekten verschrieben. In Glattfelden fand vor zwei Jahren die erste Arachnida-Expo statt und zog über 2500 Besucher an. Die grosse Resonanz ermutigte die Verantwortlichen zu einer weiteren Ausstellung.

Etwa 180 Tiere von 15 Ausstellern hielten Einzug in die Amriswiler Festhütte. Davon waren zwei Drittel Vogelspinnen. In mehreren Gruppen wurden sie nach ihrem Vorkommen auf den verschiedenen Kontinenten präsentiert. Andere Giftspinnen, Insekten und 30 Skorpione waren in zwei weiteren Bereichen zu sehen, versehen mit einem Bild, dem lateinischen Namen ihrer Herkunft und Informationen zur Haltung. Speziell gekennzeichnet waren Exemplare, die unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen.

Fühlen wie eine Spinne

Ein Spinnen-Erlebnisparcours lud dazu ein, die Sinneswelt der Tiere selbst zu erleben. Das Empfinden von Vibrationen oder Wind etwa, oder die optische Wahrnehmung der Spinnen, die sich auf Hell-Dunkel-Impulse beschränkt. Spinnen und Skorpione hatten auch die zahlreichen Videofilme zum Thema, die gezeigt wurden. Zum gleichen Fachbereich hielten Wissenschaftler und Buchautoren informative Vorträge. Unter ihnen Benno Wullschleger, der an der Uni Bern Untersuchungen von Spinnen und deren Giften durchführt.

100 verschiedene Vogelspinnenarten, von denen es insgesamt 900 gibt, waren ausgestellt. Viele davon aus der Haltung von Patrick Locher, der erst vor vier Jahren mit dieser Beschäftigung begonnen hat. Gemeinsam mit 50 motivierten Personen, weitere 20 waren im Hintergrund im Einsatz, betreute er die Ausstellung. Einerseits galt es, den Besuchern ein eindrückliches Erlebnis zu vermitteln, Fragen zu beantworten und Aufklärungsarbeit zu leisten. Andererseits mussten die Bedürfnisse der Tiere erfüllt werden. Tage zuvor in ihren eigenen Terrarien angeliefert, waren sie immerhin in ihrer vertrauten Umgebung. Ihre gewohnte Temperatur von 25 oder mehr Grad wurde allerdings nicht ganz erreicht. Dafür sorgte die aufsteigende Wärme auf der Festhüttenempore für tropische Temperaturen. Frei laufende Tiere waren während der Ausstellung in der Festhütte nicht erlaubt, und mit ihnen zu handeln ist auf spezielle Börsen beschränkt. Entsprechende Fachliteratur war an einem Bücherstand zu finden.

Auch giftigere Tiere ausgestellt

Während der Biss einer Vogelspinne mit einem Wespenstich vergleichbar ist, gibt es kleinere und wesentlich giftigere Tiere, die ebenfalls zu bestaunen waren. Darunter die zwei giftigsten überhaupt: die Schwarze Witwe und die Bananen- oder Kammspinne. Von dem Züchter Raphael Alber aus Frauenfeld, dessen Stand ständig umlagert war, gab es eine echte Tarantel, eine südamerikanische Einsiedlerspinne und die Skorpione zu sehen. Geradezu harmlos nahmen sich da die Insekten eines Züchters aus Dietlikon aus. Er präsentierte Stab- und Gespensterschrecken sowie Tarnungskünstler, die als wandelnde Blätter bekannt sind.

In regelmässigen Abständen konnte die Fütterung der Spinnen mitverfolgt werden. Ihnen wurden lebende Steppengrillen aus Schweizer Zuchtfarmen gereicht. Am Sonntagnachmittag musste jeder Blick auf eines der Ausstellungsstücke in einer Warteschlange verdient werden. Mit dem Ergebnis von 2800 Besuchern, darunter auch viele Kinder, zeigten sich die Organisatoren nach der Ausstellung sehr zufrieden. Und viele Interessierte kamen auf ihre Rechnung, indem sie von den fundierten Informationen profitierten, Kontakte knüpften oder einfach nur ihre Abneigung gegen die Achtbeiner reduzieren konnten.

 

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Update: 23. Mai, 2004 / TM


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