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Weder
Kuscheltiere noch Monster
Thomas
Märklin züchtet Vogelspinnen - Amriswil ist am 25./26. Oktober Schauplatz
einer grossen Ausstellung
AMRISWIL.
Seine Wohnung teilt Thomas Märklin mit 150 Vogelspinnen. Sonderbar
ist dies keineswegs, amtiert der 27-Jährige doch seit März als Präsident
des Vereins «Arachnida Schweiz».
GEORG STELZNER
Thomas Märklin
hat sich an fragende Blicke und offene Münder gewöhnt. Vogelspinnen
in der eigenen Wohnung zu halten, ist nicht jedermanns Sache. Alleine
die Vorstellung, nur einem einzigen dieser exotischen Tiere zu begegnen,
jagt manchen Menschen kalte Schauer über den Rücken. Schreckhafte
Besucher werden denn auch sofort beruhigt: «Die Tiere laufen natürlich
nicht frei herum, sondern leben in eigens eingerichteten Terrarien.»
Thomas Märklin pflegt dieses Hobby seit sechs Jahren mit stupender
Akribie und beispielhafter Hingabe. Mittlerweile hat er sich durch
Lektüre und Studium ein Fachwissen angeeignet, das in der Schweiz
seinesgleichen suchen dürfte. Nicht zufällig wurde dem Amriswiler
heuer das Präsidium des vor elf Jahren gegründeten Vereins zur Förderung
der Haltung und Zucht von Spinnentieren und Insekten, kurz «Arachnida
Schweiz», anvertraut.
Auf eine
Gattung spezialisiert
Die Vogelspinnen
traten unverhofft in Thomas Märklins Leben, mussten dann aber nicht
lange um seine Sympathie werben. «Ich habe sie in einer Tierhandlung
gesehen und war augenblicklich fasziniert von ihren Bewegungen und
ihren Farben.» Äusserlich seien Vogelspinnen an der rundlichen Form
ihrer beiden Körperteile und den kräftigen Beinen zu erkennen. Zudem
würden ihre Beisswerkzeuge von oben nach unten und nicht seitwärts
arbeiten. Zu Beginn habe sich seine Begeisterung in einer ausgeprägten
Sammelleidenschaft artikuliert, heute sehe er sich eher als systematischen
Forscher. Eine grosse Hilfe stelle diesbezüglich das Internet dar,
könnten damit doch rund um den Globus Erkenntnisse ausgetauscht
und Fragen gestellt beziehungsweise beantwortet werden. «Früher
besass ich bis zu 700 Spinnen der unterschiedlichsten Arten und
Gattungen, doch inzwischen habe ich mich auf die Gattung Poecilotheria
spezialisiert», erzählt Thomas Märklin. Nicht ohne Stolz fügt er
an, dass in seinen Terrarien elf der 13 bekannten Arten vertreten
seien. Am charakteristischen Tigermuster seien diese Vogelspinnen
auch für Laien leicht erkennbar.
Jede Woche
vier Grillen
Die Haltung
von Vogelspinnen ist laut Thomas Märklin im Kanton Thurgau weder
bewilligungspflichtig noch besonders schwierig. Einige Regeln müssten
jedoch unbedingt beachtet werden. So sollte die Temperatur im Terrarium
nicht unter 20 Grad Celsius sinken und nicht über 35 Grad Celsius
ansteigen. «Am wichtigsten für die Vogelspinnen sind aber Wasser
und Feuchtigkeit», betont der Züchter. Als Futter würden sich Grillen
und Heuschrecken, erhältlich in speziellen Farmen, am besten eignen.
Eine ausgewachsene Vogelspinne vertilge jede Woche vier Grillen,
doch notfalls könne sie auch ein bis zwei Monate ohne Nahrung überleben.
«Die meisten Vogelspinnen jagen und schnappen im entscheidenden
Moment zu, sie fangen ihre Beute also nicht mit einem Netz wie die
in unseren Breiten bekannten Spinnen», erklärt Thomas Märklin.
Öffentlichkeit
aufklären
Dass seine
Begeisterung für die behaarten Achtbeiner nur von den wenigsten
Zeitgenossen geteilt wird, stört Thomas Märklin nicht. Ein Anliegen
ist es ihm jedoch, die Öffentlichkeit über das wahre Wesen der Spinnen
sachlich zu informieren und die weit verbreiteten negativen Vorurteile
abzubauen. Zu diesem Zweck referiert Märklin auch vor Kindern und
Jugendlichen in Schulen. Grosse Hoffnungen setzt der neue Präsident
von «Arachnida Schweiz» in jene Ausstellung, die am letzten Oktober-Wochenende
in Amriswil über die Bühne geht. Am 25. und 26. Oktober (jeweils
10 bis 17 Uhr) werden in der Festhütte über 100 verschiedene Vogelspinnenarten
und 30 bis 50 Skorpionarten (auch sie gehören zu den Spinnentieren)
in gesicherten Schaukästen gezeigt. Eine vergleichbare Veranstaltung
fand in der Schweiz erst einmal, 2001 in Glattfelden, statt. «Wir
möchten dem Publikum vor Augen führen, dass die kursierenden Horrorvorstellungen
nur Hirngespinste abseits jeglicher Realität sind.» Bestritten werde
die «ArachnExpo» genannte Ausstellung von Vereinsmitgliedern. Thomas
Märklin gibt zu bedenken, dass die Ausstellung in Amriswil eine
der seltenen Gelegenheiten darstelle, persönlich konkrete Fragen
an ausgewiesene Fachleute zu stellen. Gezeigt werde auch ein Videofilm,
der Einblicke in die Welt der Vogelspinnen vermittle. Zudem könnten
die Sinneswahrnehmungen einer Spinne auf einem Parcours nachempfunden
werden.
Befragt
Keine
Gefahr
Herr Märklin,
weshalb haben Spinnen eigentlich so einen schlechten Ruf?
Das hängt
mit irrationalen Ängsten zusammen, die durch ein entsprechendes
Verhalten schon von den Eltern auf die Kinder übertragen werden.
Heutzutage fördern aber auch Horrorfilme, die mit Spinnen gezielt
Ängste schüren, das schlechte Image dieser Tiere.
Sind die
Vogelspinnen, die an der Ausstellung gezeigt werden, denn nicht
gefährlich?
Das Gift
der Vogelspinnen bedeutet für Menschen keine Lebensgefahr. Mir ist
kein Fall bekannt, dass jemand wegen eines Bisses gestorben wäre.
Was hat
ein Anfänger zu beachten, der sich dem Hobby Vogelspinnen widmen
will?
Man muss
sich über die Motive im Klaren sein. Ausschlaggebend sollte das
Interesse am Tier und nicht etwa der eigene Geltungsdrang sein.
Wichtig wäre es auch, persönlichen Kontakt mit erfahrenen Züchtern
zu pflegen. Diese geben auch gerne Spinnen zu vertretbaren Preisen
ab. Vom Kauf in Tierhandlungen rate ich ab, zumal die nötige Fachkompetenz
oft fehlt. (st)
Thomas Märklin
Präsident «Arachnida Schweiz»
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Erfahrungsberichte
jeglicher Arten bitte an: t.maerklin@poecilotheria.com
Ich
werde alle Zusendungen seriös behandeln.
Update:
22. Mai, 2004 / TM
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