Zeitungsbericht (Siegener Zeitung) über Thorsten Kroes

Sensation dank akribischer Suche


Thorsten Kroes züchtet Spinnen / Drei Arten fast unbekannt / Erfolg durch Forschung

rudi Hünsborn. „Tigris“, „Metallica“und „Miranda“ heißen nur einige der „Haustiere“, die Thorsten Kroes aus Hünsborn hält. Allesamt sind zwar im Eigenheim des 36-Jährigen untergebracht. Als niedliche Weggefährten, die des Abends Gesellschaft auf dem Sofa leisten, verstehen sie sich aber nicht. Die Tiere im Hause Kroes sind Vogelspinnen und zumeist der Gattung Poecilotheria (griech. = wildes, buntes Tier) zuzuordnen.

Seltene Arten sozialisieren sich

Die Sammlung des Spinnenliebhabers aus Hünsborn unterscheidet sich jedoch maßgeblich von anderen: Unter den 13 in seinen Terrarien untergebrachten Arten finden sich nämlich drei, die lange Zeit bzw. nie zuvor als Lebendexemplar gesichtet und vor allem nicht gezüchtet wurden. Das änderte sich, als Thorsten Kroes 2003 mit einer „Metallica“ sowie einer „Miranda“ von einer Reise aus Indien zurückkehrte. Insgesamt rund 1000 Exemplare der Gattung Poecilotheria sind in den Terrarien von Thorsten Kroes zu finden – auf einer vergleichsweise kleinen Fläche. Das ist bei artgerechter Haltung von Vogelspinnen nur selten möglich, dank einer Eigenschaft der in Indien und Sri Lanka vorkommenden Arten in diesem Fall aber praktikabel.

Entgegen anderer Arten sozialisieren sich die Tiere: Sie teilen ihr Futter, jagen zusammen und betreiben Brutpflege. Die Nachzuchten, pro Kokon kann man eine ganze Hundertschaft rechnen, lassen sich somit lange Zeit in einem einzigen Gefäß halten. Erst mit zunehmendem Alter – die einzelnen Arten der Gattung Poecilotheria werden schätzungsweise rund 15 Jahre alt – werden die Tiere in separate Behälter umgesetzt. Zum einen, da sie eine beachtliche Größe erlangen können; so etwa die „Rufilata“ aus Südindien mit rund acht Zentimetern Körpergröße und 25 Zentimetern Beinspannweite. Zum anderen aber auch, da die geschlechtsreifen Weibchen ihre Männchen nach der Begattung als Beute ansehen und fressen können.

Um 1900 beschrieb ein Engländer erstmals die „Miranda“ sowie die „Metallica“, benannt nach ihrer metallisch blauen Färbung. Beide Arten wurden zwar in einem Londoner Museum in Alkohol eingelegt aufbewahrt, waren also bekannt. Dennoch fand man über 100 Jahre lang keine lebenden Exemplare mehr. Selbst bei den Einheimischen in Indien waren die Spinnen weitestgehend nicht mehr geläufige Vertreter der Tierwelt. Thorsten Kroes gelang 2003 daher eine wahre Sensation, als er zusammen mit dem gleichgesinnten Schweizer, Thomas Märklin, gleich vier Exemplare – darunter ein Weibchen – aufspürte. Nach und nach konnten weitere Tiere gesammelt werden.

Dabei handelte es sich nicht etwa um einen Zufallsfund. Akribisch hatte man die Gebiete der ersten Funde aus dem vorigen Jahrhundert analysiert, anhand dessen die Lebensgewohnheiten der Tiere erschlossen und mittels Satellitenaufnahmen potentielle Lebensräume ausgemacht, in denen es noch Bestände geben könnte. Gezielt bereiste das Team die entsprechenden Gebiete, musste jedoch Geduld und Ausdauer mitbringen, bis die Nachforschungen sich bezahlt machten. Zusammen mit einheimischen Führern durchstreiften die Männer die Wälder, suchten ausgehöhlte Bäume und Holzritzen nach den Spinnen ab. Der erste Erfolg kam dabei scheinbar zur richtigen Zeit, wenn nicht sogar um „fünf vor Zwölf“.

Arten vom Aussterben bedroht

Stetig schwindet der natürliche Lebensraum der Spinnen in Indien und Sri Lanka: Durch fortschreitende Bebauung, Abholzung der Wälder und Aufforstung von Monokulturen werden die Biotope grundlegend verändert. Die seltenen Spinnenarten könnten gänzlich aussterben. Schon jetzt kommen einige Arten nur noch punktuell in kleinen Habitaten vor. Wie gering die Bestände sind, verdeutlicht nicht zuletzt die Tatsache, dass Thorsten Kroes vor zwei Jahren ein Exemplar der „Tigris“ fand, eine so genannte Tigerspinne, die in 2006 zum ersten Mal überhaupt beschrieben wurde.

Die Spinne gehört zu den so genannten „Ornament-Vogelspinnen“ und ist deutlich an einem Eichenblatt ähnlichen Ornament auf dem Rücken zu erkennen. Zurück in der Heimat landete der Hünsborner eine weitere Sensation: Erstmals gelang eine Nachzucht der „Tigris“. Vier Kokons konnte Kroes erfolgreich heranziehen. Diesen Erfolg verbuchte bis dato kein anderer Züchter. Generell scheint Kroes die „Geheimrezeptur“ der Spinnenzucht entdeckt zu haben. Allein dieses Jahr konnte er rund 35 Kokons und somit mehrere tausend Spinnen erfolgreich „ausbrüten“.

„Metallica“ bald im Kölner Zoo

Seine nunmehr 22-jährige Leidenschaft für Spinnen, sein stetiges Forschen auf diesem Gebiet brachte ihm diesen Erfolg ein. Er entwickelte eine ganz eigene Variante, die natürlichen Lebens- und Brutbedingungen zu imitieren. 150 große Spinnen sowie 850 Jungtiere – vom „Ei mit Beinen“, wie das erste Entwicklungsstadium bezeichnet wird, bis zur augenmerklichen Spinne – dokumentieren die Zuchterfolge. Damit setzte der Hünsborner eine wichtige Marke zur Sicherung des Artbestandes. Die 13 heute noch in Indien und Sri Lanka vorkommenden Poecilotheria- Arten können weiter existieren – wenn nicht in ihrem Heimatland, dann zumindest in Terrarien auf der ganzen Welt. Bald wird auch dem Kölner Zoo, dessen Revierleiter ein guter Freund von Thorsten Kroes ist, eine größere Menge der wundervoll schimmernden „Metallica“ zur Verfügung gestellt.

Darüber hinaus legt Kroes zusammen mit seinen befreundeten Hobby-Kameraden Thomas Märklin sowie Henrik Krehenwinkel einen weiteren Grundstein für den Artbestand der Tiere: In dem noch vor Weihnachten erscheinenden Buch „Ornament-Vogelspinnen“ beschreibt er Biologie, Pflege, Erkrankungen und Zucht der Tiere und gibt damit zugunsten der Spinnen sein wohl gehütetes „Geheimrezept“ der Zucht preis.

Thorsten Kroes beheimatet in seinen Terrarien rund 1000 Spinnen – rund 150 adulte Exemplare sowie rund 850 Jungtiere, die er selbst gezüchtet hat.

Die „Metallica“ fasziniert vor allem durch ihre metallisch-blaue Färbung, die je nach Lichteinfall deutlich zu sehen ist.

2005 entdeckte Thorsten Kroes ein Exemplar der „Tigris“, eine so genannte Tigerspinne, die bis dahin noch nicht beschrieben war.

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Update: 19. Februar, 2008 / TM

   

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